Datenvisualisierung: So findest du das richtige Diagramm für deine Präsentation
Praxis

Datenvisualisierung: So findest du das richtige Diagramm für deine Präsentation

Ludwig Vitus
Ludwig Vitus

Redakteur:in

· September 2026

Gute Datenvisualisierung macht aus Zahlen eine echte Aussage. Hier erfährst du, wann Balken, Säulen, Pie- und Donut-Charts, 100%-gestapelte Diagramme, Wasserfälle oder Scatterplots sinnvoll sind – und welche typischen Fehler du in Präsentationen vermeidest.

In diesem Artikel

Datenvisualisierung beginnt mit der Aussage, nicht mit dem Diagramm

Viele Präsentationen scheitern nicht an fehlenden Daten, sondern an mangelnder Klarheit. Da stehen Tabellen, Prozentwerte, Umsatzentwicklungen und Kennzahlen – aber niemand weiß sofort, was daraus folgen soll. Genau hier beginnt gute Datenvisualisierung: nicht beim schönsten Chart, sondern bei der Frage, welche Aussage deine Leser:innen nach wenigen Sekunden verstehen sollen.

Die Kontrollfrage vor jeder Diagrammwahl

Bevor du ein Diagramm auswählst, hilft eine einfache Frage: Soll die Folie einen Vergleich zeigen, eine Entwicklung erklären, eine Struktur darstellen oder einen Zusammenhang sichtbar machen? Ist das geklärt, ergibt sich der passende Diagrammtyp fast von selbst – oder die Auswahl schrumpft deutlich. Datenvisualisierung ist dann keine Dekoration, sondern Übersetzung: aus Zahlen wird Orientierung.

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Datenvisualisierung für Vergleiche: Balkendiagramm oder Säulendiagramm?

Balken- und Säulendiagramme wirken auf den ersten Blick ähnlich. In Präsentationen erfüllen sie aber unterschiedliche Aufgaben.

Balkendiagramm: die erste Wahl für Rankings

Ein Balkendiagramm eignet sich besonders für Rankings und direkte Vergleiche: Wer liegt vorn? Welche Kategorie ist am größten? Wo stehen Länder, Produkte, Teams oder Maßnahmen im Vergleich? Durch die horizontale Ausrichtung lassen sich lange Kategorienamen gut lesen und Werte sauber sortieren. Ein Beispiel aus dem Alltag ist die Bundesliga-Tabelle: die beste Mannschaft oben, die Abstiegskandidaten unten.

Säulendiagramm: stark bei kurzen Zeitverläufen

Ein Säulendiagramm passt, wenn du Entwicklungen über wenige Zeitpunkte zeigst: Umsatz nach Quartalen, Anfragen pro Monat oder Kosten pro Jahr. Die Leserichtung von links nach rechts unterstützt den zeitlichen Verlauf. Bei sehr vielen Zeitpunkten ist ein Liniendiagramm eingängiger, weil es Trends ruhiger und platzsparender zeigt. Der Fokus liegt dann auf der Entwicklung, weniger auf einzelnen Punkten.

Sortierung und Nullachse entscheiden über die Wirkung

Bei beiden Charttypen wird die Aussage über die Sortierung sichtbar. Rankings sortierst du absteigend, Zeitverläufe bleiben chronologisch. Und weil Balken und Säulen über Längen verglichen werden, sollte die Achse bei null starten – ein Achsenbruch nur in begründeten Ausnahmefällen. Sonst wirken Unterschiede größer als sie sind. Und dann kassierst du schnell den Vorwurf, die Daten verzerrt darzustellen.

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Datenvisualisierung für Anteile: Pie- und Donut-Charts richtig nutzen

Pie- und Donut-Charts werden oft pauschal verteufelt. Mit ein paar Spielregeln ist diese Zurückhaltung unnötig. Sie taugen nicht für jede Aufgabe, haben aber eine klare Berechtigung: wenn du eine einzelne Struktur zeigst, die zusammen 100 Prozent ergibt, und wenn es nur wenige Segmente gibt. Ein Donut-Chart zeigt etwa gut, dass ein Markt überwiegend aus einer Kategorie besteht oder ein Kostenblock dominiert.

Wann Pie- und Donut-Charts scheitern

Problematisch wird es bei zu vielen Segmenten oder sehr ähnlichen Anteilen. Dann müssen Leser:innen Winkel und Flächen vergleichen – und das funktioniert deutlich schlechter als der Vergleich von Längen im Balkendiagramm.

Spielregeln für saubere Kreisdiagramme

Achte auf eine klare Reihenfolge: Start bei 12 Uhr, im Uhrzeigersinn, Segmente absteigend sortiert. Das Segment „Sonstige" steht am Ende – auch wenn es größer ist als einzelne reguläre Kategorien. Außerdem helfen direkte Beschriftungen meist mehr als eine separate Legende. Je weniger die Augen zwischen Chart und Legende springen, desto schneller sitzt die Aussage.

Strukturvergleich Pie Chart.png

Datenvisualisierung für Strukturvergleiche: Warum mehrere Pie-Charts selten helfen

Der häufigste Fehler bei Strukturvergleichen ist die Aneinanderreihung mehrerer Pie- oder Donut-Charts. Drei Länder, drei Kund:innengruppen oder drei Jahre werden dann als eigener Kreis dargestellt. Das sieht aufgeräumt aus, ist aber schwer vergleichbar: Leser:innen müssen Flächen aus verschiedenen Kreisen gegeneinander halten. Kleine Unterschiede gehen dabei fast immer unter.

100%-gestapelte Balken als bessere Alternative

Für mehrere Strukturen ist ein 100%-gestapeltes Balken- oder Säulendiagramm meist die bessere Wahl. Alle Balken sind gleich lang und stehen für 100 Prozent, die Segmente zeigen die Zusammensetzung. So erkennst du schneller, welche Anteile sich verschieben. Wichtig: Die Segmentreihenfolge bleibt über alle Balken gleich. Ist ein Segment besonders relevant, sollte es auf einer gemeinsamen Basislinie liegen – also immer ganz links oder ganz unten.

Auch hier gilt: Nicht jedes Detail muss ins Diagramm. In Präsentationen reicht oft die zentrale Aussage plus wenige Werte. Wer jede Zahl beschriftet, bekommt am Ende eine Tabelle mit bunten Flächen. Gute Datenvisualisierung entscheidet, was wichtig ist – und lässt den Rest bewusst leiser werden. Hier bist du als Urheber:in gefragt.

Strukturvergleich Balken.png

Wasserfalldiagramm: Datenvisualisierung für Zu- und Abschläge

Das Wasserfalldiagramm – der Exot unter den Diagrammtypen – sieht aus wie ein besonderes Säulendiagramm und wird deshalb gern zweckentfremdet. Seine Aufgabe ist aber sehr klar: Es zeigt, wie ein Startwert durch Zu- und Abschläge zu einem Endwert wird. In Kostenrechnungen, Ergebnisbrücken und Business-Cases ist es deshalb besonders nützlich.

Typische Fragen: Wie wird aus Umsatz ein Ergebnis? Welche Effekte erklären die Abweichung zum Vorjahr? Welche Kostenblöcke reduzieren den Deckungsbeitrag? Die Stärke liegt in der Bewegung: plus, minus, Zwischensumme, Endwert.

Wofür das Wasserfalldiagramm nicht taugt

Für reine Strukturvergleiche ist es ungeeignet. Willst du zeigen, dass ein Budget aus Personal, Miete, Software und Sonstigem besteht, sind ein Pie-/Donut-Chart oder ein gestapelter Balken klarer. Willst du zeigen, wie sich aus einem Startwert über mehrere positive und negative Effekte ein Ergebnis entwickelt, ist der Wasserfall genau richtig.

Wasserfall.png

Datenvisualisierung für Zusammenhänge: Scatterplot und Butterfly-Chart

Wenn zwei Kennzahlen miteinander in Beziehung stehen, also korrelieren, reicht ein Balkendiagramm nicht mehr aus.

Scatterplot: Korrelation zeigen, nicht behaupten

Ein Scatterplot (Punktwolke) zeigt, ob größere Werte einer Kennzahl mit größeren oder kleineren Werten einer zweiten Kennzahl einhergehen. Damit machst du Cluster, Ausreißer oder grobe Korrelationen sichtbar – etwa Umsatzpotenzial und Abschlusswahrscheinlichkeit von Leads.

Wichtig: Korrelation ist keine Ursache. Ein Scatterplot zeigt einen möglichen Zusammenhang, erklärt ihn aber nicht. Er braucht in Präsentationen fast immer eine klare Headline, eine kurze Einordnung und Hervorhebungen für relevante Punkte. Hilfreich sind Trendlinien wie eine Regressionsgerade: Sie fasst den statistischen Zusammenhang zusammen und zeigt, wie sich eine Variable im Durchschnitt verändert, wenn sich die andere verändert.

Butterfly-Chart: zwei Gruppen gegenüberstellen

Ein Butterfly-Chart – ein gegenübergestelltes Balkendiagramm – passt, wenn du zwei Gruppen über dieselben Kategorien vergleichst: Kund:innen vs. Nicht-Kund:innen, Frauen vs. Männer oder Vorher vs. Nachher. Je einfacher die Frage, desto besser funktioniert der Chart. Wenn du drei Sätze brauchst, um den Diagrammtyp zu erklären, ist er für eine Präsentationsfolie zu komplex.

Datenvisualisierung in PowerPoint Präsentationen: Die wichtigsten Regeln für saubere Charts

In einer PowerPoint Präsentation entscheidet nicht nur der Diagrammtyp über die Wirkung, sondern auch die Reinzeichnung – der Punkt, an dem viele Teams Data Designer:innen dazuholen. . Entferne alles ohne Aussage: unnötige Rahmen, 3D-Effekte, harte Schatten, überflüssige Achsenlinien, doppelte Legenden. Denke auch an Redundanzen – Werte direkt im Diagramm und eine bezifferte Achse braucht niemand. Nutze Farben nicht als Dekoration, sondern als Führung: Eine Akzentfarbe zeigt, worauf der Blick fallen soll. Genau das ist gelungene visuelle Kommunikation.

Die Überschrift trägt die Aussage

Besonders wichtig ist die Chart-Überschrift. „Umsatzentwicklung 2023–26" beschreibt nur den Inhalt. „Unser Umsatz wächst seit 2024 wieder deutlich" liefert eine Aussage – und genau die sollte der Chart visuell bestätigen. Das ist der Unterschied zwischen Daten zeigen und Daten erklären.

Beschriftungen, Zahlformate und Quellen

Achte auf saubere Beschriftungen, einheitliche Zahlformate und nachvollziehbare Quellen. Gerundete Zahlen sollten erkennbar und einheitlich gerundet sein. Eine kleine Stichprobe gehört in eine Fußnote. Gute Datenvisualisierung versteckt Unsicherheit nicht, sondern zeigt Daten so klar, dass Leser:innen sie richtig einordnen.

Mini-Entscheidungshilfe: Welche Diagramme passen zu welcher Frage?

Frage an die Daten

Geeigneter Chart-Typ

Typischer Einsatz in Präsentationen

Wer ist größer, stärker oder wichtiger?

Balkendiagramm

Ranking, Top-5-Vergleich, Benchmark

Wie entwickelt sich ein Wert über Zeit?

Säulen- oder Liniendiagramm

Monate, Quartale, Jahre, Trends

Wie setzt sich ein Ganzes zusammen?

Pie-/Donut-Chart

Ein einzelner Marktanteil oder Budgetmix

Wie unterscheiden sich mehrere Strukturen?

100%-gestapeltes Balken-/Säulendiagramm

Marktanteile über mehrere Länder oder Gruppen

Wie entsteht ein Endwert aus Zu- und Abschlägen?

Wasserfalldiagramm

Kostenrechnung, Ergebnisbrücke, Umsatz zu EBITDA

Hängen zwei Kennzahlen zusammen?

Scatterplot/Butterfly-Chart

Korrelation, Cluster, Ausreißer

📌 Fazit: Datenvisualisierung als Entscheidungshilfe!

Datenvisualisierung ist stark, wenn sie eine Entscheidung erleichtert. Dafür brauchst du keine große Chart-Sammlung, sondern die richtige Übersetzung: Balken für Rankings, Säulen oder Linien für Zeitverläufe, Pie- und Donut-Charts für einzelne einfache Strukturen, 100%-gestapelte Balken für Strukturvergleiche, Wasserfälle für Zu- und Abschläge, Scatterplots für Zusammenhänge.

Die wichtigste Regel bleibt: erst die Aussage, dann der Diagrammtyp. Wenn du weißt, was deine Leser:innen erkennen sollen, wird die Gestaltung einfach. Und manchmal ist eine sauber formatierte Tabelle die bessere Wahl – etwa wenn sich die Daten nur halbherzig visualisieren lassen. Du willst deine nächste Präsentation überzeugender machen? Dann setze Datenvisualisierung ab der nächsten Folie als Argument ein – oder finde auf GREATJOB Freelancer:innen, die deine Zahlen präsentationsreif übersetzen.

Häufig gestellte Fragen

  • Welcher Diagrammtyp ist der beste für Präsentationen?

    Es gibt keinen Universal-Chart. Für Rankings nimm ein Balkendiagramm, für Zeitverläufe Säulen oder Linien, für Strukturvergleiche 100%-gestapelte Balken. Entscheide immer von der Aussage her, nicht von der Optik.

  • Sind Pie-Charts wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

    Nein. Sie funktionieren gut bei einer Struktur mit wenigen Segmenten, die 100 Prozent ergibt. Schwierig wird es bei vielen oder sehr ähnlichen Anteilen – und bei mehreren Kreisen nebeneinander.

  • Wie viele Diagramme gehören auf eine Folie?

    In der Regel eines. Eine Folie, eine Aussage, ein Chart – so bleibt die Botschaft lesbar. Brauchst du mehrere Diagramme, teile sie auf mehrere Folien auf oder arbeite mit einem Anhang.

  • Wie viel darf ich für Datenvisualisierung als Freelancer:in berechnen?

    Das hängt von Umfang, Datenqualität und Zeitdruck ab. Viele Freelancer:innen rechnen pro Folie oder pro Tag ab und schlagen Aufwand für Datenaufbereitung und Korrekturschleifen separat auf. Halte im Angebot fest, wie viele Feedbackrunden enthalten sind.

  • Wann ist eine Tabelle besser als ein Diagramm?

    Wenn Leser:innen exakte Einzelwerte nachschlagen sollen oder die Daten zu viele Dimensionen haben. Eine sauber formatierte Tabelle ist ehrlicher als ein Chart, der die Aussage nur halb trägt.

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Ludwig Vitus
Ludwig Vitus

Redakteur:in

Ludwig Holzhauser ist Geschäftsführer der 0800 Schaubild GmbH und seit 2012 selbstständig mit Fokus auf PowerPoint, Visualisierung und hochwertige Präsentationsunterlagen tätig. Fast 25 Jahre Erfahrung im internationalen Umfeld von Top-Management-Beratungen und Marketing Know-how bilden das Fundament seiner Arbeit. Er unterstützt Unternehmen dabei, komplexe Inhalte in klare Executive Slides, Infografiken, Datenvisualisierungen und konsistente Foliensätze zu übersetzen. Sein Schwerpunkt liegt auf visueller Klarheit, sauberer Reinzeichnung und Präsentationen, die Entscheidungen erleichtern.

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